Für alle unter 45 muss es schwer zu glauben sein, dass es eine Zeit gab, in der Ungarn die beste Fußballmannschaft der Welt war. Doch vor über 60 Jahren haben sie es zweifellos getan. Ungarn gewann 1952 den olympischen Titel in einem dreieinhalbjährigen ungeschlagenen Lauf. Zwischen Juni 1950 und November 1955 erzielten sie in 51 Spielen über 210 Tore, ein erstaunlicher Schnitt von mehr als vier geschossenen Toren pro Spiel.
Der größte Moment der Mannschaft kam fraglos 1953, als das große England in Wembley mit einem nie gesehen 6:3-Sieg endgültig in die Schranken gewiesen wurde. Was aber hat sich seitdem getan?
Viele Jahre Leerlauf
Dass auf dem Höhepunkt ihrer Erfolgsgeschichte in der Mitte der 50er Jahren der Luft schon sein sollte, dachte damals noch niemand. Und zunächst sah es auch nicht danach aus. Dann bis in das kommende Jahrzehnt konnte die ungarische Mannschaft immer wieder für gute Erfolge sorgen, auch wenn der ganz große Wurf an die Spitze ausblieb. Danach aber folgten viele Jahre Leerlauf. Denn mit der neugewonnen Demokratie kam Fußball einfach nicht mehr so in der Masse an. Dies hat mehrere Gründe. Im Kommunismus wurde der Fußball in Ungarn kollektiviert und der größte Teil der Goldenen Mannschaft spielte Woche für Woche für den gleichen Verein, die Armeemannschaft Honved. Auch in anderen Ländern des Ostblocks gang und gebe. Länder wie die Tschechische Republik, Rumänien und Bulgarien aber haben seit der Öffnung hin zu Westen weiterhin gute internationale Seiten hervorgebracht. In Ungarn aber hat man es nicht verstanden, dort anzusetzen, wo man in der Vergangenheit schon gute Erfahrung gemacht hat. Die Jugendarbeit wurde Jahre lang sträflich vernachlässigt.
Im 21. Jahrhundert wieder die Zügel in die Hand genommen
So mussten die Fans einige Jahrzehnte ausharren, bis Ungarn endlich wieder namhafte Spieler und ereignisreiche Momente produzieren konnte. Wer erinnert sich nicht gerne an Gábor Király, den Mann mit den Schlabberhosen, der in Berlin bei der Hertha viele Jahre lang für Furore sorgte. Aber auch ein Hustzi und zuletzt ein Szalai haben zuletzt gezeigt, dass Ungarn nach und nach wieder zumindest in Europa von sich reden machen lässt. Es scheint, als würde man in Ungarn einen anderen Trend verfolgen. Denn während der Hype rund um Fußball auf dem Rasen ein wenig nachlässt, werden Aspekte wie Esports und FIFA Turniere immer wichtiger. So geht man beispielsweise auch nicht mehr so häufig ins Casino in Budapest, sondern geht zum Live Casino spielen einfach ins Internet. Die Unterhaltungsbranche des Landes hat sich aufgrund der vielen Jahre an sportlichen Enttäuschungen aufgemacht, virtuell für mehr Aufregung zu sorgen.
Ein Blick in die Zukunft
2016 war man erstmals wieder bei einer EM dabei. Auch wenn in der Gruppenphase schon Schluss war, die Fans können berechtigte Hoffnungen anstellen, dass dies nicht unbedingt eine Eintagsfliege war. Ob Ungarn auf lange Sicht aber den Anschluss an das Mittelfeld Europas herstellen kann, wird die Zeit zeigen müssen. Für all jene, die die Goldene Generation entweder selber spielen haben sehen oder zumindest die Geschichten kennen, wäre dies Wasser auf die Mühlen.