CFD-Broker bewerben enge Spreads als einen der größten Vorteile für Trader. Sie versprechen niedrigere Handelskosten und bessere Ausführungen, um Privatkunden anzulocken. Doch die Realität hinter engen Spreads kann trügerisch sein – insbesondere im Jahr 2025, da Broker ihre Preismodelle anpassen, um Einnahmen zu maximieren.
Dieser Artikel zeigt, warum enge Spreads irreführend sein können, welche versteckten Risiken damit verbunden sind und worauf Trader achten sollten, um manipulative Preisstrategien zu vermeiden.
Was sind enge Spreads im CFD-Handel?
Ein Spread ist die Differenz zwischen dem Geldkurs (Bid) und dem Briefkurs (Ask) eines Vermögenswerts. Was sind CFDs? Contracts for Difference (CFDs) sind derivative Finanzinstrumente, die es Tradern ermöglichen, auf Kursbewegungen zu spekulieren, ohne den Basiswert zu besitzen. Im CFD-Handel setzen Broker diese Spreads fest, was die Handelskosten beeinflusst.
- Enger Spread: Kleine Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis → scheinbar niedrigere Handelskosten.
- Weiter Spread: Größere Differenz → höhere Handelskosten pro Trade.
Theoretisch bedeuten engere Spreads bessere Ausführungspreise. Doch da CFD-Broker anders arbeiten als traditionelle Forex- oder Aktienbroker, entstehen versteckte Probleme.
Warum enge Spreads zunehmend trügerisch sind
Obwohl enge Spreads auf den ersten Blick vorteilhaft erscheinen, gibt es mehrere problematische Faktoren, die sie weniger attraktiv oder sogar manipulativ machen.
1. Slippage und Requotes: Die wahren Handelskosten
Viele Broker werben mit engen Spreads, doch wenn ein Trader eine Order platziert, kommt es oft zu Slippage oder Requotes – was bedeutet, dass die Order zu einem schlechteren Preis ausgeführt wird als erwartet.
Wie es funktioniert:
- Der Trader sieht 0,1 Pips Spread auf EUR/USD.
- Nach der Orderplatzierung wird der Preis um 0,5–1 Pip schlechter ausgeführt (Slippage).
- Die Kostenersparnis durch den engen Spread wird vollständig zunichtegemacht.
Studie der FCA (2024): Über 40 % der CFD-Trades erlitten negative Slippage, was bedeutet, dass Trader mehr zahlen als der beworbene Spread suggeriert.
2. Künstlich enge Spreads in Niedrigvolatilitätsphasen
Einige Broker halten Spreads nur dann niedrig, wenn die Marktaktivität gering ist, weiten sie aber bei Volatilität massiv aus.
Wie es funktioniert:
- Spreads sind während ruhiger Marktphasen eng → Trader glauben, dass sie immer günstige Preise bekommen.
- Kurz vor wichtigen News oder hoher Volatilität werden Spreads extrem ausgeweitet → Trader zahlen plötzlich deutlich mehr.
Beispiel:
- Während niedriger Volatilität: EUR/USD hat einen 0,2-Pip-Spread.
- Vor einer Fed-Zinsentscheidung: Spreads steigen auf 4–6 Pips.
- Trader, die in dieser Phase handeln müssen, zahlen unerwartet höhere Kosten.
3. Versteckte Gebühren bei „Zero-Spread“-Konten
Manche Broker werben mit null oder extrem engen Spreads, aber sie erheben hohe Kommissionen, um den Gewinn dennoch zu sichern.
Wie es funktioniert:
- Zero-Spread-Konto: Kein Spread, aber eine hohe Kommission von 7–10 USD pro Lot.
- Standardkonto: Spreads sind etwas weiter, aber ohne oder mit geringeren Kommissionen.
- Endergebnis: Die Gesamtkosten im „Zero-Spread“-Konto sind oft höher als in Standardkonten.
Trader sollten nicht nur den Spread, sondern die Gesamtkosten (Spread + Kommission + Slippage) vergleichen.
4. Market-Maker-Broker und Spread-Manipulation
Viele CFD-Broker agieren als Market Maker – das bedeutet, sie stellen eigene Preise, anstatt echte Interbankenspreads anzubieten.
Wie es funktioniert:
- Der Broker kontrolliert sowohl Geld- als auch Briefkurs, anstatt echte Marktpreise weiterzugeben.
- Spreads werden künstlich ausgeweitet, um Stop-Loss-Orders auszulösen oder Slippage zu erzeugen.
- Der Broker profitiert direkt, wenn Trader durch spreadbasierte Ineffizienzen Geld verlieren.
Studie der ESMA (2025): Über 70 % der CFD-Trades werden intern von Market-Maker-Brokern ausgeführt, was bedeutet, dass die Preise nicht immer den echten Markt widerspiegeln.
5. Latenzzeiten und versteckte Orderverzögerungen
Selbst wenn ein Broker enge Spreads anbietet, kann technische Verzögerung (Latency) dazu führen, dass Trader schlechtere Preise zahlen.
Wie es funktioniert:
- Broker zeigt 0,1-Pip-Spread auf GBP/USD.
- Tatsächliche Orderausführung erfolgt verzögert, während sich der Preis leicht verändert.
- Endergebnis: Statt des beworbenen 0,1-Pip-Spreads zahlt der Trader 0,5–1 Pip mehr.
Beispiel:
- Trader gibt eine Buy-Order bei 1,2500 mit 0,2-Pip-Spread ein.
- Aufgrund einer Broker-Verzögerung wird die Order bei 1,2503 ausgeführt → Trader zahlt 0,3 Pips extra.
Wie Trader sich vor irreführenden engen Spreads schützen können
- Gesamtkosten (Spread + Kommission + Slippage) vergleichen: Nicht nur auf die beworbenen Spreads, sondern auf echte Handelskosten achten. Ein Trade-Execution-Tracker kann helfen, zu sehen, wie oft Orders zum erwarteten Preis ausgeführt werden.
- Spreads während hoher Volatilität überwachen: Spreads während normalen Marktbedingungen vs. News-Events vergleichen. Unverhältnismäßige Spread-Ausweitungen sind ein Warnsignal.
- ECN- oder DMA-Broker statt Market Maker nutzen: ECN (Electronic Communication Network) und DMA (Direct Market Access) Broker bieten echte Marktpreise ohne Manipulation. Market-Maker-Broker profitieren von Trader-Verlusten, was einen Interessenkonflikt darstellt.
- Ausführungsgeschwindigkeit mit Demokonto oder kleinen Trades testen: Kleine Trades setzen und die Ausführungsgeschwindigkeit prüfen, bevor man größere Positionen eingeht. Regelmäßige Slippage = Zeichen für schlechte Preisgestaltung.
- Broker-Bedingungen zu Spread-Anpassungen lesen: Manche Broker behalten sich das Recht vor, Spreads in volatilen Märkten beliebig zu erweitern. Wenn Spreads nicht fix oder zu volatil sind, ist Vorsicht geboten.
Fazit
Obwohl enge Spreads attraktiv erscheinen, sind sie nicht immer so vorteilhaft wie beworben. Versteckte Slippage, Spread-Manipulationen, hohe Kommissionen und Broker-interne Preissteuerung können die Vorteile zunichtemachen. Trader sollten nicht nur auf den Spread achten, sondern die Gesamtkosten und die Qualität der Orderausführung bewerten. ECN-Broker und Transparenz sind entscheidend, um sich gegen täuschende Preisstrategien zu schützen. Ein enger Spread allein macht einen Broker nicht günstig – die wahre Handelskostenstruktur zählt.